Psychotherapiewochen Lindau 2017: „Angst, Ressentiment und Hoffnung“, Artikel in der Lindauer Zeitung im April 2017

 

 

Fremd bin ich auch mir selbst

Das Spannungsfeld zwischen dem Eigenen und dem Fremden stand im Mittelpunkt des Eröffnungsvortrags von Joachim Küchenhoff, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Baselland. Gerhard Ecker, Oberbürgermeister der Stadt Lindau, begrüßte die Gäste und versprach, dass die nächste Tagung in der neuen Inselhalle stattfinden wird. Langfristige Verträge zu guten Konditionen seien bereits ausgehandelt wie Peter Henningsen von der wissenschaftlichen Leitung der Psychotherapiewochen zufrieden feststellte.

Im weißen Tagungszelt ging es dann zur Sache: Wie ist das Verhältnis zwischen uns und den Fremden? Komplizierter als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Denn fremd sind nicht nur die anderen, fremd sind wir uns auch selbst. Küchenhoff hat mit sechs Thesen die Eckpunkte des Spannungsfelds zwischen dem Eigenen und dem Fremden gesetzt.

Seine erste These lautet: Es gibt nicht zuerst das Eigene und dann das Fremde, beides ist gleich ursprünglich. Von der ersten Minute unserer Existenz geht es immer um das Verhältnis zwischen mir und den Anderen. Aber wie sieht das Verhältnis aus? Was gehört zu uns, was zur äußeren Realität? 

Diese Frage führte Küchenhoff zu seiner zweiten These, dass Projektionen eine wichtige Rolle spielen in diesem Verhältnis. Denn die menschliche Psyche ordnet das, was uns ein gutes Gefühl vermittelt, gern dem Eigenen zu, und das, was ein unangenehmes Gefühl verursacht, den Anderen. Diese Zuordnung ist tief verwurzelt, und sie ist der Grund für die Bildung von Vorurteilen. So wird der andere schnell zum Eindringling, der Haus und Hof – und das Sozialsystem - bedroht. Dieser Mechanismus wird immer wieder instrumentalisiert, unter anderem von Parteien. 

Küchenhoff: „Je mehr ich das abwehren muss, was in mir selbst unbekannt ist, umso mehr muss ich abwehren, was mir unbekannt ist beim anderen.“ Das Problem, so seine dritte These, ist allerdings, dass sich diese Fremdheit nicht einfach aufheben und in Eigenheit überführen lässt. Küchenhoff: „Würden wir uns überhaupt darüber freuen, wenn Fremdheit aufhebbar wäre?“ Und ist bei denjenigen, die Fremdheit aufheben wollen, nicht vielleicht auch Narzissmus im Spiel? Also ein Machtanspruch des Eigenen, die Forderung, alle anderen sollen sein wie ich selbst? Dann werden die Menschen geteilt in Gefolgsleute und Gegner, und die Vernichtung aller Träger des Fremden gerechtfertigt. 

Deshalb sei es auch gefährlich, so Küchenhoff, Unterschiede verstehend zu nivellieren, anstatt eine grundlegende Unzugänglichkeit des Fremden zu akzeptieren. Seine vierte These lautet: Was als fremd, was als eigen gilt, legt keine Instanz verbindlich fest. Die Grenzen zwischen dem Fremden und dem Eigenen müssen immer neu ausgehandelt werden. Der Vorgang ist bekannt aus der Entwicklungspsychologie. Jugendliche müssen prüfen, was sie von ihren Eltern übernehmen wollen und was nicht. Das gelingt nur, wenn die Jugendlichen die Freiheit haben, sich zu identifzieren oder abzugrenzen, wenn sie also nicht einem Wunschbild ihrer Eltern entsprechen müssen. 

Auch die Frage, wer zum Volk gehört, muss immer neu verhandelt werden. Gesellschaften befinden sich im Wandel. An dem Aushandlungsprozess sind wir alle beteiligt, er kann nur gemeinsam gelingen. Ort dieses Prozesses ist ein transkultureller Übergangsraum, in dem nachgedacht werden kann über Zuschreibungen. In persönliche Begegnungen lernen wir den anderen, aber auch uns selbst neu kennen. 

Deshalb ist, so die fünfte These, die Anerkennung der eigenen Fremdheit die Voraussetzung für die Anerkennung der Fremdheit des Anderen. Dann kann die Reise beginnen in das Fremde des Eigenen, dann kann die Begegnung mit dem Fremden fruchtbar werden. Küchenhoff formulierte als sechste These: Wichtig ist nicht die Aufhebung der Fremdheit, sondern der Umgang mit ihr, ein Umgang, der sowohl Aneignung wie Anerkennung des Fremden beinhaltet. Das Fremde macht dem Eigenen Konkurrenz, ruft aber auch Möglichkeiten wach, die wir bislang für ausgeschlossen hielten. Ziel ist die Anerkennung der Fremdheit, so Küchenhoff, selbst in einer Freundschaft. Auch Freundschaft muss durch die Anerkennung der gemeinsamen Fremdheit hindurch, in einer Bewegung des Hörens, um noch in der größten Vertrautheit den Abstand zu wahren, der das Lernen durch Fremdes ermöglicht. „Ziel kann nicht sein, das Fremde zu erlernen. Die Erfahrung des Fremden“, so Küchenhoff, „ist eine Erfahrung, die gegen den Strich geht.“


Hoffnung ist ursprünglicher als Angst

Verena Kast untersucht die unterschiedlichen Aspekte von Angst, Ressentiment und Hoffnung

„Angst-Ressentiment-Hoffnung“ ist das Tagungsthema der ersten Woche der diesjährigen Psychotherapietagung, Verena Kast hat es auch zum Titel ihres Vortrags am Montagvormittag gemacht. Immer wenn wir Angst haben, so Kast, dann verlieren wir den Boden unter den Füßen. Jeder reagiert anders auf Angst. Die einen gehen zum Angriff über, andere ziehen sich zurück, man versucht, die Angst zu bannen oder sie zu verleugnen. Aber wir können auch mutig sein und uns der Angst stellen.

Die Angst wurzelt in der Todesangst. Symbolisch lässt sich die Todesangst auch verstehen als Angst, das eigene Leben zu verfehlen. Dass wir sterblich sind, fordert uns dazu heraus, Spuren zu hinterlassen. Angst kann uns stimulieren, kann die Kreativität anstacheln, sie kann uns aber auch lähmen, wir können an ihr zerbrechen. Angst gebiert Monster, stellte Kast fest, wenn sie zur Furcht wird - vor dem Fremden und vor den Fremden.

Setzen wir uns jedoch mit der Angst auseinander, schauen wir sie an, werden wir kompetent im Umgang mit ihr. Jeder Prozess beginnt mit einem Problem, von dem man nicht weiß, wie es zu lösen ist. Neue Ideen kommen, wenn wir darauf vertrauen, dass es eine Lösung gibt. Die Angst nimmt ab, wenn wir sie mit anderen Menschen teilen. „Deshalb ist Krisenintervention auch hilfreich“, sagte Kast. „Wir können entängstigt werden und wieder Zugang finden zu unseren Ressourcen. Dann kommen wir auch auf mögliche Lösungen.“

Ängste können gelindert, sie können aber auch geschürt werden. Kast: „Die manipulatorische Absicht, andere zu ängstigen, ist höchst unethisch.“ Leider ist das Schüren von Ängsten gerade weit verbreitet. Wenn man sich die Ängste nicht anschaut, wenn man nicht versucht, die dahinter stehenden Probleme zu lösen, können sie sich verfestigen und zu Ressentiments führen. Befeuert werden Ressentiments durch das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein. Das äußert sich als Bitterkeit, automatisiertes Zürnen, kalter Hass, Neid, eine feindselige Haltung und Zynismus. Die Folge ist eine seelische Selbstvergiftung.

Gefährlich wird es, wenn persönliches Ressentiment eine überpersönliche Bühne findet. Wenn das Einzelschicksal mythisch überhöht wird und zur Identifizierung mit einer Führerperson führt. Wenn wir eine durch Ärger motivierte Aggression auf andere projizieren und plötzlich davon überzeugt sind, dass „die Anderen“ uns schaden wollen. Wir können Ängste abwehren, sinnvoller jedoch ist, sie nicht zu leugnen, sondern sie wahrzunehmen, auszuhalten und nach Lösungen zu suchen. Die Probleme, die hinter der Angst stehen, müssen angeschaut werden. Dann kann klar werden, dass wir, wenn wir in Ressentiments gefangen sind, oft schlechte Erfahrungen, sogenannte Komplexepisoden, auf neue Situationen übertragen. Und auf diese Weise der Vergangenheit verhaftet bleiben.

Die Opferrolle wird zementiert und man übersieht, dass man auch mit der Angriffsrolle identifiziert ist. Therapie kann hilfreich sein, wenn durch einen freundlichen Blick der Therapeuten die Ressourcen der Patienten in den Blick rücken. Wenn ein Möglichkeitsraum geöffnet wird, der Hoffnung keimen lässt auf eine Entwicklung zum Guten. Wenn man sich wieder freuen kann, wenn die eigene Energie nicht mehr blockiert ist. Wenn man sich wieder bedeutsam fühlen kann, ohne auch bedeutsam sein zu müssen. Diese Freude wird körperlich und seelisch als Wärme empfunden. Hoffnung wächst und die kleine Schwester der Hoffnung: die Vorfreude.

„Hoffnung“, so Kast, „ist ursprünglicher als Angst. Unser Leben ist mit Hoffnung unterlegt, sie ist eine Begleitmotivation des Lebendigseins.“ Und sie zitierte Cicero: „Solange ich atme, hoffe ich.“ Und Bloch mit dem Satz: „Die Hoffnung ersäuft die Angst.“ Vertrauen ermöglicht Hoffnung. Vertrauen ist sozialer Kitt. Und die Bedingung dafür, Risiken einzugehen. Wenn Vertrauen zu bröckeln beginnt, bröckelt der Zusammenhalt der Gesellschaft. „Es liegt auch an uns“, so Kast, „Vertrauen zu schaffen, und verlässlich zu sein.“

Sie setzt sich ein für eine Haltung pragmatischer Hoffnung, jenseits eines flachen Optimismus. Getragen wird die pragmatische Hoffnung von der Bereitschaft, die eigenen Ängste in den Blick zu nehmen, nach den Ursachen dafür zu suchen, Probleme zu lösen, sich konsequent auf Möglichkeitsräume zu beziehen und eine zuversichtliche Haltung einnehmen auch angesichts einer unübersichtlichen Situation.


Handle im Internet so, wie auch du behandelt werden willst (2017)

Bernhard Pörksen spricht über die Macht des Internets und die Notwendigkeit ihrer Zivilisierung

Sie schüren Angst und Ressentiment, setzen aber auch Zeichen der Hoffnung – die sozialen Netzwerke sind zu einer wichtigen Macht in unserer Gesellschaft geworden. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler aus Tübingen, nahm sie am Mittwochmorgen in seinem Vortrag im Rahmen der Psychotherapietage unter die Lupe.

Martha Payne, neun Jahre alt und aus Schottland, wurde berühmt, als sie 2012 begann, das Essen in der Schulmensa zu fotografieren, zu kommentieren und ins Internet zu stellen. Ihre Kriterien: Sieht das Essen gesund aus? Wie viele Bissen sind nötig, um es zu verspeisen? Wie viele Haare befinden sich in dem Essen, die nicht meine eigenen sind?

Auf dem ersten Foto, das sie aufnahm, ist eine einsame Krokette zu sehen und undefinierbar verkochtes Gemüse. Ihr Kommentar: Ich bin ein Kind, das wächst. Das Schulessen trägt nicht dazu bei. Ihr Blog wurde gelesen, schon rasch bekam sie Unterstützung in den sozialen Medien. Es gab Proteste: Wie könnt Ihr es wagen, unsere Kinder so abzuspeisen?

Als die Schuldirektorin Martha Payne bat, mit ihrer Berichterstattung aufzuhören und sie sich von ihrer Fan-Gemeinde verabschiedete, hatte ihr Blog innerhalb von 24 Stunden eine Million Klicks.

Ein harmloses Beispiel, so Pörksen, das die zwei Grundgesetze des digitalen Zeitalters zeigt: Es gibt eine neuartige Assymetrie von Ursache und Wirkung, ein winziger Anstoß kann einen medialen Tsunami auslösen. Und es ist unmöglich, diesen Vorgang zu zensieren oder zu kontrollieren.

Wenn es einem neunjährigen Mädchen gelingt, ein Thema auf die globale Agenda zu setzen, dann hat sich etwas grundlegend verändert. Zwei Botschaften leitet Pörksen aus diesem Vorgang ab: Wir können uns erstens die Folgen unserer kommunikativen Aktionen im Internet nicht vorstellen, wir sind „möglichkeitsblind“, und wir sind zweitens konfrontiert mit einer neuen Logik der Skandalisierung.

Vor dem digitalen Zeitalter befand sich das Publikum am Ende des Kommunikationsprozesses, nun kann es sofort reagieren und Themen setzen, die auch von den klassischen Medien nicht ignoriert werden können. Barrierefreie Interaktion, unvorstellbare Vernetzungsmöglichkeiten - die digitalen Medien ermöglichen, so Pörksen, eine radikale Demokratisierung der Enthüllungs- und Empörungspraxis.

Das bringt Veränderungen mit sich. Erstens: Neue Enthüller tauchen auf und erregen öffentliche Aufmerksamkeit. Zweitens: Die Definition relevanter Information verändert sich. Eine persönliche Geschichte kann ebenso in den Fokus der digitalen Aufmerksamkeit rücken wie eine „hingerotzte Banalität“ oder ein Hasskommentar. Drittens: Es gibt Opfer. Jeder ist in Gefahr, Gegenstand eines weltweiten Aufmerksamkeitsexzesses zu werden. Viertens: Die neuen Verbreitungsdynamiken funktionieren nach dem Muster einer Epidemie. Wenn die verbreitete Info ein Fake ist, kann sie Existenzen zerstören. Fünftens: Die digitalen Medien sind wichtige Werkzeuge der Meinungsäußerung und des Protests.

Das Netz bedeutet eine neue Dimension von Sichtbarkeit. Pörksen sprach von „Überbelichtung“ und „Totalausleuchtung“. Wer postet was über Flüchtlinge? Meinungen werden sichtbar, Unterschiede auch. Man kann darauf reagieren. Diese Sichtbarkeit, so Pörksen, erzeugt Erregung und Gereiztheit.

Tatsache ist: Wir haben es mit einer neuen medialen Macht zu tun. Früher entschieden die Journalisten darüber, was publiziert wird und was nicht, diese Macht ist nun gebrochen. Neben die Medien als vierte Gewalt schiebt sich die fünfte Gewalt der vernetzten Vielen. Bei terroristischen Anschlägen greifen Medien längst auf Handyaufnahmen von Privatpersonen zurück, die zufällig am Ort des Geschehens waren. Es gibt den Shitstorm, das Mobbing, aber auch berührende Hilfsaktionen, die auf viel Resonanz stoßen.

Wie lässt sich diese fünfte Gewalt zivilisieren? Pörksen sieht im Umgang mit den sozialen Medien einen „gigantischen gesellschaftspolitischen Bildungsauftrag“. Das Wertegerüst des Journalismus, so Pörksen, kann die konkrete und pragmatische Ethik liefern, die wir heute brauchen. Dazu gehört auch die Reflexion darüber, wie man sich in den Netzwerken äußert. Wie kann man vermeiden, dass man seinen Vorurteilen auf den Leim gehe?

Pörksen empfiehlt eine Besinnung auf Kants kategorischen Imperativ: Handle im Internet stets so, wie auch du behandelt werden willst. Er hofft, dass sich die digitale Gemeinschaft in eine reaktionelle verwandelt, und dass sie einen Zivilisierungsprozess durchmacht, der dringend nötig ist.


Ausgrenzung aktiviert das Schmerzzentrum (2017)

Joachim Bauer zeigt, dass Ausgrenzung eine Ursache ist für die Radikalierung junger Menschen

„Aggression oder Kooperation, wofür sind wir gemacht?“ So lautet die Frage, die Joachim Bauer in den Mittelpunkt seiner Vorlesungen im Rahmen der Psychotherapietage gestellt hat. Bauer ist Mediziner und Psychiater, er arbeitet an der Uniklinik in Freiburg. Hirnforscher haben festgestellt, so Bauer, dass soziale Ausgrenzung dieselben Gehirnareale reizt wie körperlicher Schmerz. Und zwar nicht nur, wenn wir selbst ausgegrenzt werden, sondern auch, wenn Menschen ausgegrenzt werden, die uns nahe stehen.

Das hat weitreichende Folgen, so Bauer: „Unsere globalisierte Welt ist keine Spielwiese, wir sind miteinander verbunden. Das hat Wirkungen, die uns alle betreffen können.“ Ausgrenzung erzeugt Schmerz, Schmerz begünstigt Aggression. Aggression kann zu Radikalisierung führen und zu terroristischen Akten. Untersuchungen haben gezeigt, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen den Schmerz akuter Ausgrenzungserfahrung abfedern.

Das gilt es bei der Diskussion um Integration zu berücksichtigen. Die Flüchtlinge kommen aus einer anderen Kultur. „Unsere Kultur ist individualistisch orientiert“, so Bauer, „wir wählen unsere Bezugsgruppen selbst, im Vordergrund steht die Befriedigung individueller Bedürfnisse, Autonomie, und ein selbstbewusstes Streben nach persönlichem Erfolg.“

Während in der arabischen Kultur der soziale Zusammenhalt eine wichtige Rolle spiele, die Zugehörigkeit zu einer Familie, einem Volk und einer Religion. Religion werde als sinnstiftend erfahren, ethnische und religiöse Traditionen seien eine Einheit, Arabischsein und Islam eng miteinander verbunden.

Flüchtlinge, die aus dem arabischen Kulturkreis kommen, werden bei uns mit anderen Werten konfrontiert. Umso wichtiger ist der Rückhalt in der Moschee für das Gefühl sozialer Integration und für das Identitätserleben in der Gemeinschaft. Der Imam ist Seelsorger und Ratgeber. „Das bedeutet nicht, dass er zu Gewalt aufrufen darf“, machte Bauer klar, „die muslimischen Zentren müssen geheimdienstlich kontrolliert werden zum Schutz unserer eigenen Gesellschaft.“

Aber wir sollten den zu uns Gekommenen erlauben, auf ihre Weise bei uns Fuß zu fassen. Das Leben in Deutschland bedeutet für viele arabische Muslime kultureller Stress – die Folgen sind Depression, Angst, innerfamiliäre Spannungen.

Ungewohnt sei auch die andere Kommunikationsform. Während bei uns eine Aussage kurz und knapp sein sollte, lebt die Glaubhaftigkeit für arabische Menschen von der Ausführlichkeit, von Wiederholungen, Übertreibungen, Beteuerungen. Einfache nüchterne Feststellungen sind für arabische Menschen Zeichen für Unglaubwürdigkeit. Es ist unhöflich, sofort zur Sache zu kommen.

Die Befragung von jungen Muslimen ergab, dass folgende Punkte als problematisch erlebt werden: Wenn man sich weder in der eigenen noch in der fremden Kultur zuhause fühlt, Diskrimierung im Alltag erlebt und den Verlust von Sinn.

„Wenn Menschen nicht mehr wissen, welche Bedeutung sie und ihr Leben haben, wird es kritisch“, sagte Bauer und zitierte Gadamer mit dem Satz: „Der Mensch ist ein sinnsuchendes Tier.“

Auch bei der Radikalisierung junger Europäer, die sich dem IS anschließen, spielt Ausgrenzung eine Rolle. Die Befragten fühlen sich überfordert durch die Komplexität des hiesigen Lebens, sie haben Nachteile erlebt bei der Bildung, bei der Wohnsituation und auf dem Arbeitsmarkt. Islamkenntnisse sind nur oberflächlich vorhanden, erschöpfen sich in leeren Slogans, die aus dem Internet kommen. Der Islam sei nur das „Dressing“ für die Radikalisierung. From Zero to Hero: Sie wollen Helden werden und damit den eigenen Minderwertigkeitskomplexen entkommen. Bauer: „Die extremistische Ideologie ist nicht der Schlüssel ihrer Taten.“

Wie ist die Integration von Geflüchteten möglich? Muslime sollten nicht gezwungen werden, so Bauer, sich für eine der beiden Kulturen zu entscheiden. Es sei wichtig, die muslimischen Gewohnheiten und sozialen Kontexte nicht zu kritisieren und abzuwerten, sie geben Halt. Und wie kann Integration gelingen? Indem Ähnlichkeiten entdeckt werden, durch Empathie und Verständnis, gemeinsames Lernen, Arbeiten und Feiern. Es gelte, Fremdheitsgefühle anzuerkennen, Andersartigkeit bestehen zu lassen und nicht auf die Schnelle beseitigen zu wollen. Bauer: „Das ist eine große Aufgabe, die uns die nächsten zehn Jahre beschäftigen wird. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen können.“


Tit for Tat – wehre dich, wenn du angegriffen wirst (2017)

Thomas Kron diagnostiziert strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den kämpferischen Einsätzen der USA und terroristischer Gruppierungen wie dem IS

Mit soziologischen Überlegungen zum islamistischen Terrorismus hat die zweite Lindauer Psychotherapiewoche begonnen. Thomas Kron, Professor der Soziologe aus Aachen, hat seine Überlegungen am Sonntagabend im gut gefüllten Zelt vorgetragen. Verena Kast stellte ihn vor und skizzierte die Absicht der wissenschaftlichen Leitung, mit dem Thema „Hass-Fanatismus-Versöhnung“ auf die aktuellen gesellschaftlichen Probleme zu reagieren. Kast: „Was können wir aus unserer Zunft zum Verständnis beitragen?“ Hass bewirke machtvolle Abgrenzung und blinder Hass sei blind für andere Ideen und andere Menschen. Wie kann unter solchen Bedingungen ein Dialog stattfinden, wie Versöhnung? Mit dieser Einführung übergab sie das Wort an Thomas Kron. Auf der Leinwand erschien der Titel seines Vortrags und der Satz von Jesus in Matthäus 10,34: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“

Wie ist die Hinwendung zum Terror zu verstehen? Kron stellte vier Kategorien auf, die gegeben sein müssen, damit Menschen gewalttätig agieren: Ressourcen oder ihr Mangel, Anführer, Identitätsbehauptung und Ideen. Unter Ressourcen versteht Kron unter anderem Material, Technik und Geld. Unter Mangel an Ressourcen leiden junge sunnitische Männer, die ohne Job sind und deshalb keine Möglichkeit haben, zu heiraten oder Sex zu haben. Das führe zu Spannungen, und diese wiederum zu Unmut, man sucht nach einem Sündenbock und nach einer Möglichkeit, zu handeln.

Sobald ein Anführer mit einer charismatischen Ausstrahlung auftaucht, der Ziele hat und offenbar auch die Ressourcen, sie zu erreichen, wird er anziehend für die jungen Männer, die auf der Suche nach Identität sind. Sie erhoffen sich Ruhm und Ehre durch Heldentum. Ideen wie der Jihadismus bilden den Rahmen, so Kron, er legitimiert die Handlungen. Wenn jemand bereits Gewalterfahrung hat, und damit „Gewaltkompetenz“, fehlt nur noch ein „Erweckungsereignis“, wie die Erfahrung von Gefängnis, Folter oder der Tod eines Familienangehörigen, um eine Radikalisierung in Gang zu setzen.

„Auch der Terror hat eine Geschichte“, stellte Kron fest, „Attentäter lernen voneinander.“ Terror sei aber auch eine Strategie. Am Beispiel des berühmten Boxkampfes zwischen Muhammad Ali und George Foreman führte Kron aus, dass die USA und Al Qaida/der IS wie in einem Zweikampf aufeinander reagieren. Die USA rechtfertigen jede militärische Aktion mit der Maxime des Kampfs Gut gegen Böse, sind mit dem Guten identifiziert und rechtfertigen zur Durchsetzung des Guten auch Gewalt.

Die vier Kategorien, die Kron eingeführt hatte, um die Voraussetzungen für terroristische Aktionen zu definieren, lassen sich auch auf politische Aktionen der USA übertragen. Das Erweckungserlebnis war 9/11, als Anführer stellte sich G.W. Bush zu Verfügung, die Gruppe, die Identität verspricht, sind die USA, die Idee, die den Rahmen zu Verfügung stellt, ist die evangelikale Glaubensvorstellung der notwendigen Rettung der Welt. Zudem sei die amerikanische Gesellschaft gewalterfahren durch das Führen unterschiedlicher Kriege, aber auch durch die Erlaubnis in vielen Bundesstaaten, Waffen im Alltag zu tragen.

Die Einsätze der Amerikaner und ihre technische Überlegenheit haben jedoch - entgegen ihrer Erwartungen - nicht zum Aufgeben der Gegner geführt, sondern zu ihrer Radikalisierung. Sowohl die Jihadisten von Al Qaida wie auch der IS argumentieren – ebenso wie die USA - mit der Maxime des notwendigen Kampfes des Guten gegen das Böse. Auch sie rechtfertigen Gewalt als Mittel zum Zweck - der Herstellung des Friedens durch den Islam. Die Taktik besteht in einer Vielzahl von Attentaten: 1000 Nadelstiche, um die Abwehr des Gegner zu erschöpfen und ihr freiheitliches Verständnis auszuhöhlen. Die Handlungen werden mythisch überhöht und legitimiert.

Gegenmaßnahmen gegen den Terror müssen, so Kron, auf die Veränderung der Bedingungen abzielen, die ihn hervorbringen. Dazu gehöre die Verbesserung der Situation der jungen sunnitischen Männer, aber auch eine gerechtere Verteilung der Ressourcen. „Wenn uns das nicht gelingt“, sagte Kron, „dann müssen wir in Kauf nehmen, dass Menschen auf den dauernden Mangel irgendwann mit Hass und Gewalt reagieren.“ Er empfahl, keine Doppelmoral zu fahren: „Wir können nicht bei anderen unmoralisches Handeln ankreiden, selbst aber ebenso unmoralisch vorgehen.“

Er schlug vor, die missbrauchte Maxime des Kampfes von Gut gegen Böse zu ersetzen durch die Maxime: angstfreies gegen angstvolles Leben. Geostrategisch sollte eine angstfreie Weltgesellschaft das Ziel sein, die andere Menschen nicht ausgrenzt, sondern ihre Bedürfnisse und Ängste berücksichtigt. Er sprach sich aber auch aus für grenzüberschreitende Geheimdienstarbeit, um unsere Gesellschaft zu schützen. Und der Individualisierung der Angriffe müsse begegnet werden mit einer Individualisierung des Widerstands. Als Taktik empfahl er: Tit for Tat, sei freundlich, wenn der andere freundlich ist, wehre dich, wenn du angegriffen wirst.


Fanatiker lassen sich nicht therapieren (2017)

Peter Conzen beschäftigte sich am Montag mit dem Fanatismus

„Fanatismus – Psychoanalyse eines unheimlichen Phänomens“ lautete der Titel des Plenarvortrags von Peter Conzen am Montagvormittag. Damit hat er sich den beklemmenden Aspekt des Themas „Hass-Fanatismus-Versöhnung“ vorgenommen und ihn gründlich von allen Seiten betrachtet. Im Begriff Fanatismus stecke das lateinische Wort fanum, sagte Conzen, das ursprünglich Heiligtum bedeutet. Fanatismus zeichne sich durch pseudoreligiöse Ergriffenheit aus, die eine kollektive Identitätskrise verdecke und persönliche Verblendung.

Conzen unterschied den originären Fanatiker von dem Fanatiker, der von anderen beeinflusst wird, den Pflichtfanatiker und den Zwangsfanatiker. Charakteristisch für Fanatismus sei das Gefühl innerer Getriebenheit und die Überzeugung, Werkzeug einer höheren Macht zu sein. Anhänger von charismatischen Führerfiguren zeichnen sich durch ein perverses Anschluss- und Glaubensbedürfnis aus. Eng damit verbunden sei die Bereitschaft, den Anführer zu vergotten.

Pflichtfanatiker setzen sich verbissen ein für etwas Erhabenes, sind getrieben von einer narzisstischen Wut, die Realisierung ihrer Vorstellungen rechtfertigt die Vernichtung von allen, die nicht ihren Idealen anhängen. Conzen: „Aus glühenden Idealisten werden glühende Verfolger.“ Zwangsfanatiker seien die klassischen Untertanen und Erfüllungsgehilfen, unterwerfen sich charismatischen Anführern und verschreiben sich bedingungslos einem Ziel.

Eine wichtige Ursache für Fanatismus ist, so Conzen, die vermeintliche oder tatsächliche Bedrohung der eigenen Identität. Religiöser Fanatiker machen die Sache Gottes zu ihrer eigenen. Alles werde gerechtfertigt, was der Sache dient, auch die Vernichtung der Gegner. Conzen zitierte C.G. Jung mit dem Satz: „Fanatismus ist ein Bruder des Zweifels.“ Der Zweifel werde auf andere projiziert und im anderen bekämpft. Politischer Fanatismus äußere sich in einem bedingslosen Einsatz für säkulare Ziele, denen auch Freiheit und Würde geopfert würden. Während sich sittlicher Fanatismus in den Dienst von Reinheit stelle, Gewalt gegen andere rechtfertige als notwendigen Akt der Säuberung. Conzen: „Übertriebene Sittenstrenge ist oft ein erstes Anzeichen für politischen Fanatismus.“

Fanatismus entstehe aus verletzten Schamgefühlen, Mobbing, Ausgrenzung und Verletzung des individuellen und kollektiven Narzissmus. Der Wunsch nach Vergeltung für erlittenes Unrecht machte aus Michael Kohlhaas einen Fanatiker, der jede Grenze überschritt. Conzen: „Fanatismus ist eine Plombe für persönliche Konflike.“ Das kindliche Über-Ich werde zum Ankläger, Richter und Henker. Auf der Suche nach der Realisierung des Paradieses werde der Hölle Tür und Tor geöffnet.

Radikales Potenzial entwickle sich in Kindheit und Adoleszenz, könne sich an utopische Visionen und ideologisierte Feindbilder heften. Dennoch komme es nur bei einer kleinen Minderheit der Menschen zu einer fanatischen Persönlichkeitsveränderung.

Conzen: „Eine Wurzel des Fanatismus ist die Erschütterung des Urvertrauens, der Wunsch nach Rückkehr in die idealen Welten eines primären Narzissmus.“ Demagogen verstehen sich darauf, frühkindliche Ängste zu wecken und Hass auf Feinbilder zu lenken. Aber auch ein radikalisierter Ödipuskomplex könne Ursache für Fanatismus sein. Conzen bezeichnet ihn als Triebkraft des Aufbegehrens.

Entwicklungsumbrüche in der Adoleszenz und der Hang zu idealisiertem Denken ermöglichen Radikalisierung, Jugendlicher Enthusiasmus könne zur Speerspitze gesellschaftlichen Wandels, aber auch missbraucht werden durch totalitäre Systeme und größenwahnsinnige Führer. Wenn sich jemand für die Radikalisierung entscheide, dann finde eine radikale Neustrukturierung des Selbst statt und die Aufgabe der bisherigen Identität. Conzen bezeichnet den Fanatismus als „Sein zum Tode“, als Identifizierung mit einer negativen Identität. Gefühlskälte und Unbarmherzigkeit sind die Folgen. Was Fanatikern fehle, sei Humor, Empathie und Liebesfähigkeit. Conzen zog eine deprimierende Bilanz: „Fanatiker lassen sich nicht therapieren.“ Man könne aufklärend und beratend wirken, aber ein therapeutischer Umgang mit Fanatikern sei letztlich zum Scheitern verurteilt.


Die Zukunft wirft ihre Schatten auf die Gegenwart (2017)

Die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn untersucht die Veränderung apokalyptischer Vorstellungen

Wer hätte gedacht, dass Apokalypse so unterhaltsam sein kann? Eva Horn, Professorin für Literaturwissenschaft in Wien, hat in einem kurzweiligen Vortrag apokalyptische Szenarien in Realität und Fiktion vorgestellt. Damit ist die zweite Psychotherapiewoche am Freitagvormittag zuende gegangen.

Eva Horn begann ihren Vortrag mit einem Filmausschnitt aus „I am Legend“, der New York nach einer Epidemie zeigt, die nur ein Mann überlebt. Die Natur holt sich die Stadt zurück, die Vögel singen. Eva Horn: „Dieser Alptraum ist zugleich Wunschtraum. Die Stadt ist leer, verwaist. Das erfüllt uns auch mit Erleichterung.“

Postapokaloyptische Romane und Filme haben Konjunktur. „Wir letzten Menschen“, so Horn, „denken darüber nach, was nach uns kommt.“ Was zeigt sich vom Menschen, wenn alles zu Ende ist? Das Wort Apokalypse kommt aus dem Griechischen, und bedeutet Offenbarung, Enthüllung. Im Moment des Zusammenbruchs verstehen wir die Bedeutung des Lebens, das wir bis dahin geführt haben.

Eva Horn nahm die Anwesenden mit auf einen Exkurs in die Geschichte apokalyptischer Vorstellungen. Die Bekannteste ist die Apokalypse des Johannes. Die Welt ist restlos zerstört, nun tagt das letzte Gericht. Es entscheidet sich, wer gerettet wird und wer nicht. Horn: „Das Ende mündet in einen Neuanfang, im Neuen Jerusalem leben von nun an die Geretteten und Gott, zeitlos, in einem wohlgeordneten Gemeinwesen.“

Diese Vorstellung ändert sich im 18. Jahrhundert mit der Aufklärung, das Erdbeben von Lissabon stellt die Sinnhaftigkeit der Geschichte in Frage und die Vorstellung von einem guten, gerechten Gott. Der Dichter Jean Paul fantasiert einen Weltuntergang, in dem sich zeigt, dass es keinen Gott gibt. Also auch kein Weltgericht und keinen neuen Anfang. In Lord Byrons Gedicht „Darkness“ fallen die Menschen zuletzt übereinander her, die dünne Schicht der Zivilisation fällt ab, sichtbar wird, wie jämmerlich die Menschen sind, sie streiten bis zuletzt.

Eva Horn zeigte ein Foto von einem Atombombentest auf dem Bikini-Atoll. Seit der Erfindung der Atombombe ist klar, dass der Weltuntergang vom Menschen ausgelöst werden kann. Der Kalte Krieg wurde zu einem Gleichgewicht des Schreckens, ein Wettstreit der Rüstung von USA und UdSSR, aber mit konkreten Verantwortlichen, so Horn, mit Entscheidungsträgern, gegen die man demonstrieren konnte.

Heute fürchten wir nicht mehr nur den Atomkrieg. Die Katastrophenszenarien haben sich vervielfacht: Dürre droht, Überschwemmungen, Ressourcenknappheit, Umweltdesaster, Klimawandel, Pandemien, Überbevölkerung. Es gebe nicht mehr die wenigen Verantwortlichen, sondern die vielen. Horn: „Unser Lebensstil trägt zu den Problemen bei. Wir sind nicht nur Opfer, wir sind auch Akteure dieses Prozesses.“

Das Zeitregime der Moderne bedeutete, mit einer offenen Zukunft zu rechnen, in die hinein wir uns entwerfen konnten. Das ist vorbei. In New Orleans zeigte sich nach dem Hurrikan Katrina, dass sich unsere Hilsbereitschaft in Grenzen hält. Das Reale bekomme schnell eine hässliche Fratze, wenn die öffentliche Ordnung zusammenbreche.

In dem Roman „Die Straße“ von Cormack Mc Carthy bewegen sich Menschen durch eine Landschaft nach der Katastrophe, sie suchen nach Essen, werden zu Kannibalen, bringen sich gegenseitig um. Eva Horn: „Warum spricht uns das an?“ Und sie antwortet: Weil das Undenkbare denkbar wird und weil wir etwas aus der Innenwelt der Katastrophen erfahren. Wir können reagieren.“

Wie? Zum Beispiel durch Alarmismus. Alarmierte Menschen versuchen, Feinde und Bedrohungen zu identifizieren und Vorkehrungen zu treffen. Waffen zu kaufen, Tomatendosen zu horten, Tür zu verstärken. Horn: „Wir können aber auch mit Interpassivität reagieren, also im Kino sitzen mit einer Tüte Popcorn und andere stellvertretend die Katastrophe durchleben zu lassen, sie 'dran glauben zu lassen'“.

Die ästhetische Vorwegnahme in Literatur und Film ermögliche uns das Durchspielen von Katastrophen, das Nachdenken über eigene Handlungsweisen. Eva Horn zitierte Percy Shelley: „Wir brauchen die kreative Fähigkeit, uns das vorzustellen, was wir wissen. (…) Dichter sind die Spiegel jener riesigen Schatten, welche die Zukunft auf die Gegenwart wirft.“