Schweigenberg, Roman

 

„Die Trauben fühlen sich wohl in ihrer Haut. Sie werden täglich runder, praller, saftiger. Der August macht wett, was das Frühjahr vermasselt hat. Der Winter war lang, der Juni verregnet, aber der August ist traumhaft.“ 

Arne Schütz ist Böttcher und hat einen Weinberg an der Unstrut. Als er in den Wald geht, um Holz zu holen für seine Fässer, trifft er Lutz Winter, den Mann, der ihn wegen versuchter Republikflucht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt hat. Plötzlich weiß Arne, was er will. Er will, dass Winter eine Ahnung davon bekommt, wie es ist, im Gefängnis zu sein. 

30 Jahre nach dem Mauerfall sind immer noch nicht alle Rechnungen beglichen. Ich erzähle in Schweigenberg von einem Böttcher, der sich an einem Richter rächt, von einer Schuhmacherin, die nach der Wende arbeitslos wurde, und von ihrer Enkelin, die unbequeme Fragen stellt.

 

 

 


 

Schwäbische Zeitung: Das große Schweigen. Rezension vom 29.8.2019

 

Nach "Der Bienenkönig" hat die in Ravensburg lebende Katrin Seglitz ihren zweiten Roman veröffentlicht: "Schweigenberg" ist eine anspruchsvolle Ost-West-Geschichte, die zum Nachdenken anregt - über die Konsequenzen des Mauerfalls, über Kapitalismus und Sozialismus, über Selbstjustiz. 

                                                    Christoph Dierking, Schwäbische Zeitung, 29.08.2019

 

 

 


 

Mitteldeutsche Zeitung: Ein Gefangener seiner Vergangenheit. Rezension vom 9.11.2019

 

Von Kai Aghte

Katrin Seglitz bettet ein Stück DDR-Geschichte in die Saale-Unstrut-Landschaft ein.

„Sie würde gern über den Schweigenberg fliegen und über die Unstrut, über die Sandsteinhäuser von Freyburg und die hellgrünen Kupferdächer der Kirchtürme.“ Das denkt Iris Perswall, Hauptakteurin in Katrin Seglitz’ Roman „Schweigenberg“, als sie von dem Höhenzug ins Tal blickt. Auf dem Schweigenberg steht das Haus von Arne Schütz. In den hat sich Iris Knall auf Fall verliebt, als sie auf der Suche nach ihrer scheinbar verschwundenen Großmutter Nora die Saale-Unstrut-Gegend durchstreifte.

Nora Hard lebt im fiktiven Ort Sahlen, in dem man unschwer Weißenfels erkennt, da die Stadt früher dank des VEB „Banner des Friedens“ als wichtiger Standort der DDR-Schuhproduktion bekannt war und heute wegen seines riesigen Schlachthofs berüchtigt ist. Dank Nora erfährt der Leser auch einiges über die Schuhherstellung, war die heute 88-Jährige doch bis 1989 im „Banner“-Schuhlabor tätig.

Iris hätte aber wohl nicht so verliebt in Arnes Augen und in die Unstrut-Landschaft geschaut, wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst hätte, dass der Böttcher in seinem Weinkeller einen alten Mann gefan- gen hält: Lutz Winter war zu DDR-Zeiten ein Richter Gnadenlos und dafür verantwortlich, dass Arne zweimal wegen versuchter Republikflucht verurteilt wurde. Insgesamt drei Jahre saß er in den Ge- fängnissen Brandenburg, Cottbus und Bautzen, ehe er vom Westen freigekauft wurde. Als Arne dem greisen Juristen eines Tages zufällig begegnet, beschließt er, den Verantwortlichen für sein früheres Leid, das ihn seit 30 Jahren traumatisch verfolgt, spüren zu lassen, was es bedeutet, seiner Freiheit und Men- schenwürde beraubt zu sein.

Arne will Winter erst wieder freilassen, wenn der sein früheres Tun bereut. Als Iris erfährt, dass Winter Arnes Gefangener ist, wird für sie auch klar, dass Arne der Gefangene seiner Vergangenheit ist. Katrin Seglitz zeigt in ihrem Roman vor romantisch anmutender Kulisse sehr überzeugend, wie das Gestern ins Heute greift.

Katrin Seglitz: Schweigenberg. Roman, Osbert und Spenza, 242 Seiten, 22 Euro

 


 

Beate Rothmaier über den "Schweigenberg":

 

Liebe Katrin,

nun habe ich deinen Roman “Schweigenberg” schon seit einer Weile ausgelesen. Mit Vergnügen, mit Überraschung, mit Freude darüber, wie sich am Ende mit ein paar eleganten Wendungen alles (die einzelnen Figuren, die Handlungsstränge, die Motive und die Perspektiven) zusammenfügt (ich sage nur: Natternkopf!). 

Obwohl du ja harte Themen verhandelst! Ein gelungenes Buch zur deutsch-deutschen Vereinigungsgeschichte. Ich finde, dass du eine sehr feine Erzählweise hast und, was mir an deinem Meersburger Text auch so gefallen hat, deinen Figuren mit großem Respekt begegnest, ohne die Distanz zu ihnen zu groß werden zu lassen. Die Landschaften, die Pflanzenwelt und die Gewässer durchziehen den ganzen Text. Alles ist voll Licht und Luft und Sommersonne. 

Wie gesagt: eine schwere Thematik leicht erzählt. Das muss man erst mal hinbringen!

Glückwunsch.

Beate