"Kann man ein Buch von seinem Autor, seiner Autorin trennen?" Diese Frage stellte mir eine junge Frau auf der Buchmesse in Leipzig. Sie war der Meinung, man könne es. Beides sei sehr wohl zu trennen: Hier die Autorin, da ihr Werk.
Ich bin anderer Meinung. Auch das, was ich mir ausdenke, hat mit mir zu tun. Wovon ich träume, was ich hoffe und fürchte. Es hat zu tun mit meinem Leib, meinem Verstand, meinem Herz und meiner Seele. Mit der Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, mit meinen Erfahrungen und der Zeit, in der ich lebe. Mit den äußeren Gegebenheiten und mit mir als Person, mit meiner Geschichte, meinem Innenleben.
Meine Gedanken und Fantasien sind nicht nur Wolken, die über den Himmel ziehen. Mit dieser Vorstellung, die gern in Meditationszentren ausgesprochen und wiederholt wird, kann ich mich nicht anfreunden. Sie widerspricht meiner Erfahrung. Gedanken kommen wieder. Fantasien auch. Und Gefühle.
Das bedeutet nicht, dass ich nur von mir schreiben kann. Wenn mich das Leben eines anderen bewegt, kann ich auch davon schreiben, von diesem anderen Leben. Wir haben Empathie, können in Resonanz gehen mit anderen Menschen, mit Tieren, der Natur, mit allem, was um uns herum ist. Das wird ermöglicht durch Spiegelneuronen, Nervenzellen im Gehirn. Sie wurden in den 1990er Jahren entdeckt und erforscht.
Deshalb tragen die Texte, die ich schreibe, "meine Handschrift", haben mit mir zu tun und mit dem, was ich wahrnehme und wofür ich mich interessiere. Das wird dann auch geschützt durch Urheberrecht. In Zeiten von KI wird es infrage gestellt. Deshalb steht heute oft im Impressum: „Kein Teil des Werks darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns auch eine Nutzung des Werks für Text- und Data-Mining im Sinne von §44b UrhG vor.“
In meinem neuen Buch geht es - passend dazu - um die "Leibhaftigkeit" der Freiheit. Welche Rolle spielt der Körper, in den man hineingeboren wird? Welche Möglichkeiten stehen einem Kind offen? Wir machen sehr früh die Erfahrung, dass an ein Mädchen andere Erwartungen herangetragen werden als an einen Jungen.
Der Titel: mein Leben mit ihr. Mit ihr? Wer ist sie? Sie ist - die Freiheit: im Körper der Liberté, die Delacroix 1830 gemalt hat. Judith Laub, die Ich-Erzählerin meines Buchs, kauft einen billigen Druck des Bildes, als sie mit 19 Jahren zum ersten Mal allein in Paris ist. Die Liberté wird zum Gradmesser ihrer Erlebnisse, zum Thermometer, mit dem sie die Temperatur von Begegnungen misst, von Leidenschaft und Lebendigkeit.
Am 16. April 2026 stelle ich das Buch in Ravensburg vor, nähere Infos finden Sie unter Termine. Ich würde mich freuen, Sie bei der Vorstellung kennenzulernen oder wiederzusehen.
Ihre Katrin Seglitz