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Die Literaturszene am Bodensee hat in der Nacht zum 18. Juni mit dem Tod von Felicitas Andresen eine Autorin verloren, deren Bücher sich durch einen unverwechselbaren eigenen Ton auszeichnen, durch Witz und Lakonie. 2023 bekam sie den Singener Kulturpreis für ihr literarisches Lebenswerk. Für „sex mit Hermann Hesse“ erhielt sie den Thaddäus-Troll-Preis, ein provokanter Titel, der ihr nicht nur Freunde brachte. Aber: Was für ein Lese-Vergnügen! Die Autorin hat aus ihren Erfahrungen als „Aufsichtsbeauftragte“ im Hermann-Hesse-Museum in Gaienhofen geschöpft. Es ist nur einen Katzensprung entfernt von Hemmenhofen, wo Felicitas Andresen 1939 geboren wurde und die letzten Jahre im Haus ihrer Großeltern lebte.

Felicitas Andresen studierte Kunstgeschichte und Soziologie und arbeitete einige Jahre als Schauspielerin. Geschrieben hat sie immer, veröffentlichte ihr erstes Buch, „Beate auf den Knien“, aber erst, nachdem sie geheiratet, zwei Söhne geboren hatte und geschieden war. In diesem Buch verarbeitet sie ihre Erfahrungen als junge Frau, die versucht, beides unter einen Hut zu bekommen: das Versorgen ihrer kleinen Kinder und die Arbeit am Theater. Sie kehrte von Berlin zurück nach Hemmenhofen und schrieb „Fichte im Bett“, hintersinnige Spaziergänge über die Höri, während der sie über „Dax&Dix“, Leben und Kunst räsoniert. Sie arbeitete im Kinderhaus Höri, einer Heimschule für Kinder mit geistiger Behinderung, und schrieb „Die vornehme Pepsi und ihr Bodyguard“. Darin geht es um die Freundschaft von Pepsi, einem Mädchen dieser Schule, und Felix, einem Jungen aus dem Dorf, der Pepsi vor rechtslastigen Schlägern verteidigt.

Felicitas Andresen pflegte viele Jahre ihre Mutter, die sehr alt wurde. In ihrem Roman „Die Frau mit den drei Händen“ beschreibt sie die Kindheit von Jessica, einem Alter Ego, in Krieg und Nachkriegszeit, an der Seite ihrer Mutter, einer Schauspielerin, die das Leben mit Leichtigkeit meistert und das Gefühl vermittelt, sie hätte drei Hände. Das Material der Literatur von Felicitas Andresen: ihr Leben. Ihr Vermächtnis: ihre Bücher. Sie vermitteln einen lebendigen Eindruck der Autorin als Mensch und als Frau, als eine, die immer auch die humorvolle Seite eines Geschehens wahrnehmen konnte. Ihr Tod hinterlässt eine schreckliche Lücke - im Leben ihrer Familie und ihrer Freunde, im literarischen Leben am See, bei Forum Allmende und in der Meersburger Autorenrunde.

Den Nachruf habe ich zusammen mit Christa Ludwig verfasst. Er wurde im Südkurier abgedruckt:

https://www.suedkurier.de/114505034