Als ich Ende Oktober 2025 nach Italien fuhr, hat mich das Buch von Franz Tumler begleitet und Etruskische Orte von D.H. Lawrence.
Daraus die ersten Sätze: "Die Etrusker waren, wie jeder weiß, das Volk, das in der römischen Frühzeit Mittelitalien bewohnte und das die Römer, auf ihre übliche gutnachbarliche Manier, völlig ausrotteten, um für Rom - ein ziemlich groß geschriebenes Rom - Raum zu schaffen. (...) Nun wissen wir nichts über die Etrusker, mit Ausnahme dessen, was wir in ihren Gräbern finden. Es gibt Hinweise auf sie bei lateinischen Schriftstellern. Doch Kenntnisse aus erster Hand geben nur die Gräber. Daher müssen wir zu den Gräbern gehen: oder zu den Museen, die das aus den Gräbern Entwendete enthalten."
Lawrence schrieb das Buch 1926, er lebte seit zwei Jahren in der Toskana, der Skandal um Lady Chatterley hatte ihn aus England vertrieben. Man spürt seinen Ärger über Rom, der unterlegt ist von seiner Aversion gegen Mussolini, gegen Anmaßung und Größenwahn. Beides kennen wir zur Genüge auch von Politikern, die gerade an der Macht sind.
Die Etrusker scheinen in der Lage gewesen sein, das Leben zu genießen, davon zeugen Malereien in ihren Gräbern in Tarquinia und Cerveteri. Frauen und Männer lassen es sich gut gehen, beim Essen, Trinken und in der Natur. Musiker spielen auf Flöten und Seiteninstrumenten.
"Volterra ist die nördlichste der großen etruskischen Städte im Westen. Es liegt etwa fünfzig Kilometer vom Meer entfernt, auf einer sich hochtürmenden großen Felsenklippe, die allen Winden geöffnet ist und die ganze Welt sieht, denn nach dem Meer zu schaut man das Tal von Cecina hinunter; im Süden reicht der Blick über Tal und Hochland bis zu den Gipfeln Elbas; im Norden sieht man bis zu den drohenden Carrarabergen und landeinwärts über die weiten Hügel des vorderen Apennin bis tief in die Toskana hinein." (S. 159)
Es gibt verschiedene Stadttore in Volterra, eins ist die Porta all'Arco. Die ältesten Teile dieses Tores sind etruskisch, mächtige Steinfundamente aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Drei Köpfe sind am Bogen des Tores angebracht, so verwittert, dass sie wie dunkle Kugeln aussehen.
Es gibt verschiedene Ausgrabungsorte - eine etruskische Straße mit den Fundamenten eines Tempels und einer großen Zisterne, ein römisches Amphitheater, und hinter Santa Chiara etruskische Mauern, viele hundert Meter lang, über Le Balze - einem Abgrund, die wie ein Steinbruch aussieht.
"Die Schwalben wenden ihre blauen Rücken und schweben im gelben Abendlicht fort von den antiken Rändern, über die wahrhaft schwindelerregenden Tiefen; sie nutzen die aufsteigenden Windböen und flattern beiseite wie verlorene Fragmente des Lebens, in echtem Erschrecken vor den grausigen Schlünden. Diese sind tiefer unten dunkelgrau, aschfarben und teilweise feucht; man hat den Eindruck, als wäre das Ganze erst vor kurzem entstanden: als wäre ein riesiger Steinbruch ins Gleiten gekommen." (S.166)
Lawrence und Tumler waren meine Reiseführer in Volterra, Ansedonia und Vulci. Dank ihrer Bücher habe ich viel gesehen und einiges verstanden von dem Leben der Etrusker.