Monika Helfer: Der Bücherfreund

Vor einem Jahr, im August 2025, habe ich Monika Helfer in Friedrichshafen kennengelernt. Sie begleitete ihren Mann Michael Köhlmeier zu einer Veranstaltung, die ich moderiert habe. Wir sprachen über sein Buch Die Verdorbenen. Sie saß im Publikum. Ich bin sehr traurig, dass sie nicht mehr lebt. Was bleibt, sind ihre Bücher. Ich zitiere aus Vati und aus Der Bücherfreund. In beiden geht es um ihren Vater.

"Wir sagten Vati. Er wollte es so. Er meinte, es klinge modern. Er wollte vor uns und durch uns einen Mann erfinden, der in die neue Zeit hineinpasste. An dem eine andere Vergangenheit abzulesen wäre. Untertags und auch nachts denk ich an ihn, wie er da in seinem Lehnstuhl sitzt unter der Stehlampe, rundum die eigenen Kinder und fremde, zum Beispiel die vom Erdgeschoss. Ihr Ball rollt um seine Füße, unter den Stuhl, ihn schreckt es nicht. Er liest." (Vati, S.7)

"Mein Vati war der Bücherfreund. Ein blasser Mann, der das Wetter mied und Tag und Nacht über seinen Büchern saß. Das heißt, wenn der Zeit hatte, und Zeit hatte er viel. Er liebte seine Bücher mehr als die Menschen, denn die konnten ihm Böses antun. Die Bücher niemals und nie. Mein Vati hatte nur ein gesundes Bein. Das andere war ihm im Krieg erfroren." (Der Bücherfreund, S.7)

Vati ist das zweite Buch einer Trilogie, in der es um ihre Familie geht: Die Bagage, Vati, Löwenherz. Jedes dieser Bücher ist berührend, feinfühlend, wie sie in einem Nachruf beschrieben wird und das man sich auf youtube ansehen kann. Ihre Bücher werden weiterleben, die Figuren, die sie in den Mittelpunkt stellt und so genau und doch liebevoll beschreibt, einfühlsam und feinfühlend.