‚Sein gezeichnetes Ich‘
Öffentliches Kolloquium am 12.9.2026 von 10-18.30 im Ballsaal der Villa Rheinburg Konstanz
Vorträge zu und Lesungen aus dem Werk Hermann Kinders, mit Musik von Yogi Gross und Bernd Konrad
10h Jochen Schimmang: Lesung aus Kindergeschichten und Geschichten über Hermann
10.30 Eckhard Lobsien: Die Ästhetik des Schmerzes, zu Der Weg allen Fleisches
11-11.30 Diskussion & Musik
11.30 Zsuzsanna Gahse: Das Tempo, zu Himmelhohes Krähengeschrei
12h Katrin Seglitz: Was Ins Auge geht
Nachmittag
14.30 Christof Hamann: Den Namen nachgehen. Hermann Kinders
Prosatext Lisengrat
15h Martin Jürgens Petra Moser Schmerzhafte Identität. Hermann Kinder als Schriftsteller & Zeichner
15.30 Texte und Zeichnungen von Autorinnen und Autoren der Literaturwerkstatt des ZfP Reichenau zu Texten und Zeichnungen von Hermann Kinder
17h Sabine Peters: Hermann Kinder – eine kommentierte Textcollage
17.30 Jürgen Thaler: Der andere Kinder. Zu den Beständen im Felder-Archiv in Bregenz
18h Diskussion
„Noch in der Nacht vor der Abreise nach Brunn an der Ahr wachte Hirschberg auf, rieb sich die Augen, wollte auf, ans Werk, an die letzte große Tat, stieß an die herabhängende Lampe, fiel zurück, befühlte mit Daumen und Zeigefinger die Augen und fühlte durch die Höhlen mitten ins Hirn.“
So beginnt der Roman Ins Auge von Hermann Kinder. Im Mittelpunkt steht H.C. Hirschberg, Starstecher von Beruf. Ein Starstecher war einer, der den Grauen Star behandelte, indem er mit einer Nadel in das Auge stach und die getrübte Linse auf den Boden des Augapfels drückte. Ziel war: den Patienten wieder klare Sicht zu ermöglichen.
„Keine Geschichte ohne Vorgeschichte; kein Auge, das nicht schon früher gesehen. Meine Geschichte beginnt, wo alle Geschichte begann. Am Anfang war nichts.“
Wir bekommen es also nicht, das Wort, mit dem Johannes sein Evangelium beginnt. Und so müssen wir mit Hirschberg ganz vorn beginnen, beim Nichts, um dann schließlich da zu landen, wo er hin will: „Meine Geschichte ist die Geschichte einer großen Idee. Letzten Endes der einzigen, welche die Menschheit vorangetrieben hat: die Idee der natürlichen Vernunft, der Aufklärung, den Menschen zu verbessern, ihm ein Licht im Kopf anzuzünden.“
In meinem Beitrag beziehe ich mich auf den Roman von Hermann Kinder "Ins Auge" und folge dem Starstecher H.C. Hirschberg auf seiner imaginären Reise durch die Entwicklung des Sehsinns. Welche Beziehung hat unser Seh-Vermögen zu unserem Verständnis von der Welt? Wo treffen sich Augenlust und Sinnsuche?