„Noch in der Nacht vor der Abreise nach Brunn an der Ahr wachte Hirschberg auf, rieb sich die Augen, wollte auf, ans Werk, an die letzte große Tat, stieß an die herabhängende Lampe, fiel zurück, befühlte mit Daumen und Zeigefinger die Augen und fühlte durch die Höhlen mitten ins Hirn.“
So beginnt der Roman Ins Auge von Hermann Kinder. Im Mittelpunkt steht H.C. Hirschberg, Starstecher von Beruf. Ein Starstecher war einer, der den Grauen Star behandelte, indem er mit einer Nadel in das Auge stach und die getrübte Linse auf den Boden des Augapfels drückte. Ziel war: den Patienten wieder klare Sicht zu ermöglichen.
„Keine Geschichte ohne Vorgeschichte; kein Auge, das nicht schon früher gesehen. Meine Geschichte beginnt, wo alle Geschichte begann. Am Anfang war nichts.“
Wir bekommen es also nicht, das Wort, mit dem Johannes sein Evangelium beginnt. Und so müssen wir mit Hirschberg ganz vorn beginnen, beim Nichts, um dann schließlich da zu landen, wo er hin will: „Meine Geschichte ist die Geschichte einer großen Idee. Letzten Endes der einzigen, welche die Menschheit vorangetrieben hat: die Idee der natürlichen Vernunft, der Aufklärung, den Menschen zu verbessern, ihm ein Licht im Kopf anzuzünden.“